|
Ein besonders zyklischer Markt ist der globale Lithium-Markt. Der Preis für Lithiumcarbonat, der als Benchmark gilt, lag im Jahr 2020 noch bei etwa 6.000 US$ pro Tonne, stieg dann im Zuge des Elektroauto-Booms bis Ende 2022 auf rund 80.000 US$ pro Tonne und fiel anschließend bis 2024 wieder auf etwa 13.000 bis 20.000 US$ pro Tonne zurück.
Seit 2025 und Anfang 2026 zeigt sich eine Stabilisierung in einem Bereich von etwa 15.000 bis 20.000 US$ pro Tonne. Dieser Preisverfall war vor allem auf Überinvestitionen, sowie auf eine temporäre Abschwächung der Nachfrage, insbesondere in China im Jahr 2024, zurückzuführen.
Inzwischen hat sich der Markt weitgehend angepasst, und viele hochkostenintensive Projekte wurden verschoben oder gestoppt. Langfristig bleibt Lithium zudem ein struktureller Wachstumsmarkt. Von daher könnte die aktuelle Phase durchaus einen guten Einstiegszeitpunkt für langfristig orientierte Anleger darstellen.
Lithium-Nachfrage bleibt stark
Der wichtigste Nachfragetreiber sind Elektrofahrzeuge, die heute etwa 70 bis 80 % der globalen Lithium-Nachfrage ausmachen
Die Zahl der weltweit verkauften Elektrofahrzeuge ist von rund 3 Millionen im Jahr 2020 auf etwa 20 Millionen im Jahr 2025 gestiegen und soll bis 2030 auf etwa 40 bis 50 Millionen Fahrzeuge anwachsen
Entsprechend wächst die Lithium-Nachfrage strukturell um etwa 15 bis 25 % pro Jahr und dürfte sich bis zum Ende des Jahrzehnts ungefähr verdoppeln.
Der wichtigste Markt für reine Elektroautos bleibt dabei weiterhin China. Doch auch der wachsende Markt für Hybrid-Autos in Europa, wo diese mit 30,9 % aller Neuwagenverkäufe in 2024 schon die zweitbeliebteste Antriebsform waren und in den USA wo sich die Hybrid-Verkäufe von 2022 bis 2024 verdoppelt haben, unterstützt natürlich nicht nur den Ölmarkt, sondern auch den Lithium-Markt.
Angebotslage: Grundlage für zukünftige Angebotsverknappung
Das Angebot wird derzeit vor allem von wenigen Ländern dominiert. Australien ist der größte Produzent, gefolgt von Chile, China und Argentinien
Gleichzeitig ist der Lithiumsektor durch lange Entwicklungszeiten für neue Projekte gekennzeichnet, die typischerweise fünf bis zehn Jahre betragen.
Diese langen Vorlaufzeiten bedeuten, dass kurzfristige Angebotsreaktionen auf eine steigende Nachfrage begrenzt sind und nach Phasen niedriger Preise häufig ein zukünftiges Angebotsdefizit entsteht. Viele Projekte wurden während des Preisverfalls wirtschaftlich unattraktiv, was die Grundlage für eine mögliche zukünftige Angebotsverknappung schafft.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die dominierende Rolle Chinas in der Lithium-Wertschöpfungskette. China kontrolliert etwa 70 % der globalen Lithiumraffination und etwa 75 % der weltweiten Batteriezellproduktion
Diese starke Konzentration wird zunehmend als strategisches Risiko für die USA (und auch Europa) angesehen, weshalb beide Regionen versuchen, eigene Produktions- und Raffinationskapazitäten aufzubauen. Gleichzeitig bleibt China aufgrund seiner industriellen Infrastruktur und seiner Kostenvorteile ein zentraler Akteur im globalen Markt.
Preisprognose: Weitere Erholung in Sicht
Ich gehe davon aus, dass die begonnene Preiserholung sich auch in 2026 fortsetzen dürfte auf ein aktuell faires Niveau in einem Bereich von etwa 20.000 bis 25.000 USD pro Tonne bewegen, da der Markt die Überkapazitäten aus der Boomphase absorbiert.
Mittelfristig, insbesondere ab etwa 2027 /2028, erwartet man jedoch erneut ein strukturelles Angebotsdefizit, da die Nachfrage weiterhin stark wächst, während das Angebot aufgrund der zuvor gestoppten oder verzögerten Projekte langsamer zunimmt. Dies könnte einen neuen Bullenmarkt auslösen.
Fazit: Lithium langfristig spannend
Langfristig bleibt Lithium ein struktureller Schlüsselrohstoff für die Energiewende. Alternative Batterietechnologien wie Natrium-Ionen-Batterien könnten zwar in bestimmten Anwendungen eine Rolle spielen, stellen jedoch kurzfristig keinen vollständigen Ersatz dar. Insgesamt befindet sich der Lithiummarkt derzeit in einer Bodenbildungsphase, während die langfristigen strukturellen Wachstumsaussichten aufgrund der Elektrifizierung des Verkehrs und des globalen Ausbaus erneuerbarer Energien weiterhin sehr stark bleiben.
„Lithium ist das neue Öl der Elektromobilität…“
|